Blindleistungsmanagement

 

Blindleistungsmanagement im Verteilnetz

Sowohl die zunehmende Integration erneuerbarer Energien als auch neuer Lasten in Verteilnetzen kann insbesondere in Netzen mit langen Leitungen oder einen hohen Freileitungsanteil zu Verletzungen des zulässigen Spannungsbands führen. Bei der Wahl der Lösungsmöglichkeiten steht neben dem konventionellen Netzausbau auch die Option Blindleistungsmanagement einzusetzen, um das Integrationspotential zu erhöhen. Für die kostenoptimale Planung und Bewertung dieser Regelungen sind aufwendige Berechnungen notwendig.

Vor diesem Hintergrund werden am IAEW verschiedene Optimierungsalgorithmen sowie dezentrale Regelungsansätze zur statischen Spannungshaltung entwickelt und in diversen Projekten zur Anwendung gebracht. Durch die Integration in leistungsfähige Simulationsumgebungen lassen sich auch individuelle Rechnungen für Netzbetreiber durchführen und unterschiedliche Optionen vergleichen.

Bei der Integration von erneuerbaren Erzeugern in Verteilnetzen können Probleme bei der statischen Spannungshaltung auftreten, die mit dezentraler Blindleistungsbereitstellung lösbar sind. Die verteilte Einspeisung in der Niederspannung ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Herausforderung ist die optimale Parametrierung von dezentralen Verfahren zur Spannungshaltung, die sowohl wirksam ist als auch die Nebenwirkungen wie erhöhte Netzbelastung minimiert. Zur Lösung dieser Herausforderung wurde im Projekt U-Control ein Verfahren entwickelt, welches für jedes Netzgebiet eine optimale Parametrierung von Kennlinien erlaubt. Mit diesem Verfahren kann die Einhaltung normativer Vorgaben bei minimaler Netzbelastung durch unnötige Blindleistung realisiert werden. Die Einbettung in eine komplexe Simulationssoftware erlaubt die Berechnung von zahlreichen Szenarien.

Blindleistungsmanagement in Übertragungsnetzen

Der Blindleistungshaushalt des Übertragungsnetzes wird durch die Umstrukturierung des Elektrizitätsversorgungssystems im Rahmen der Energiewende nachhaltig beeinflusst und stellt zunehmende Anforderungen an ein effizientes Blindleistungsmanagement.

Durch die steigende Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bei Wegfall konventioneller Erzeugungsanlagen mit Anschluss an das Übertragungsnetz zeichnet sich ein signifikant steigender Bedarf an Blindleistungsquellen im Übertragungsnetz ab. Gleichzeitig bedingt der volatile Charakter der Einspeisung aus erneuerbaren Energiequellen eine erhöhte Flexibilität in der Bereitstellung von Blindleistung.

Es besteht somit ein Bedarf an effizienten Regelungsstrategien für das Blindleistungsmanagement, die die zukünftig vorhandenen Blindleistungsquellen und Technologien optimal nutzen, um den Blindleistungsbedarf zu decken. Gleichzeitig ist es notwendig die Technologien und deren Standorte zu identifizieren, die eine adäquate Bereitstellung eines ausreichenden Blindleistungspotentials garantieren.