Energiewende ohne Netzausbau? FGE und IAEW greifen hoch aktuelles Thema auf

20.01.2020
 

Manchmal gelingt eine Punktlandung: Just an dem Tag, an dem die Bund-/Länder-Einigung zum Kohleausstieg verkündet wurde, fand im Institut für Elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH eine Podiumsdiskussion zum Thema „Energiewende ohne Netzausbau“ statt. Rund 200 Gäste diskutierten das Thema am 16.01.2020 mit ausgewiesenen Experten im Bereich der Energiewirtschaft. Veranstalter waren die Forschungsgesellschaft Energie e.V. (FGE) und das IAEW.

Zu Beginn der Veranstaltung, die von Professor Moser vom IAEW moderiert wurde, gaben die Referenten ein kurzes Statement zum Thema ab.

Dr. Klaus Kleinekorte, technischer Geschäftsführer der Amprion GmbH, sagte, die Konditionierung des Ausstiegs aus der Atomenergie und Kohleverstromung und des Netzausbaus sei seiner Meinung nach dringend notwendig. Hierzu gehöre auch eine generelle Zielnetzplanung, um frühzeitig Bedarfe abschätzen zu können. Der Strombedarf, so Dr. Phillip Fest aus dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE), werde weiterhin steigen, wohingegen nach heutigem Stand des Wissens bis 2040 die Hälfte der gesicherten Leistung wegfallen wird. Deutschland werde somit perspektivisch vom Energielieferanten zum Energieexporteur. In NRW wolle man dem durch Nachnutzung der Kohlestandorte entgegenwirken.

Dr. Michael Ritzau von der BET GmbH wies darauf hin, dass der Netzausbau gegenüber dem Ausbau der Erneuerbaren Energien jetzt schon zurückliegen würde. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei erfüllt, z.T. schon übererfüllt. Demgegenüber seien viele Netzausbaumaßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Alternativen zum Netzausbau, die die Nutzung von Atomenergie und Braunkohle vollständig kompensieren könnten, wurden kritisch eingeschätzt. Maßnahmen wie die Höherauslastung von Netzen mittels Freileitungsmonitoring oder eine verstärkte Digitalisierung seien Lösungsansätze, jedoch nicht ausreichend.

Zum Thema Akzeptanz berichtete Nadine Bethge, dass sie bei ihren Besuchen von Bürgerversammlungen immer wieder feststellen könne, dass es zu wenig Transparenz über das Thema Energiewende gäbe. Man sei stets dankbar für die Aufklärung, jedoch bliebe Skepsis, ob die Pläne tatsächlich so eingehalten würden, wie dargestellt und zugesichert.

Die Referenten wiesen darauf hin, dass der Fachkräftemangel ein weiterer dringlicher Aspekt des Netzausbaus sei. Die Geschwindigkeit des Ausbaus hänge nicht zuletzt an qualifizierten Fachkräften – und diese würden fehlen. So riefen sie unisono die jungen Ingenieur*innen und Studierenden im Publikum auf, sich zu bewerben.

Alle Referenten betonten, dass das Gelingen der Energiewende entscheidend davon abhängt, dass der Energiebereich systemischer betrachtet und systemischer gehandelt wird.

Zusammenfassend zeigte die Diskussion, dass sich alle Referenten einig waren: Die Energiewende werde nicht ohne Netzausbau funktionieren. Und so wurde abschließend ein Appell an die Politik gerichtet: Man solle den Netzausbau als große Zukunftsaufgabe sehen, die konsistent über mehrere Wahlperioden hinweg mit hoher Dringlichkeit verfolgt werden müsse.

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmenden in lockerer Runde bei einem Imbiss weiter.