FGE Kolloquium 22.06.2020: Flexible Betriebsmittel vermeiden Engpässe im Übertragungsnetz

24.06.2020
 

Am 22.06.2020 fand ein weiteres Kolloquium der Forschungsgesellschaft Energie statt. Es war das zweite in diesem Semester und aufgrund der COVID-19-Pandemie auch die zweite Online-Veranstaltung. Das Thema „Accelerating the Energiewende: utilizing fast flexible grid solutions to transform power networks“ stieß auf ausgesprochen großes Interesse. Über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten mit Experten zum Einsatz lastflusssteuernder Betriebsmittel zur besseren Ausnutzung bereits vorhandener Transportkapazitäten des Übertragungsnetzes - ein hoch aktuelles Thema, da ab dem Jahr 2023 und nach dem vollzogenen Ausstieg aus der Kernenergie laut Netzentwicklungsplan Ad-hoc-Maßnahmen für den Einsatz solcher Betriebsmittel notwendig werden. Mit dem Static Synchrounou s Series Compensator (SSSC) wurde hier eine mögliche Lösung eines modular aufgebauten und flexibel einsetzbaren Betriebsmittels vorgestellt.

Diskussionsgrundlage bildete eine Studie über den Einsatz von SSSC an verschiedenen Engpässen im Übertragungsnetz, die unter der Leitung von Frau Dr.-Ing. Annika Klettke (IAEW der RWTH Aachen) erstellt wurde. Es zeigte sich, dass die notwendige Redispatch-Menge mittels SSSC durch eine bessere Ausnutzung vorhandener Transportkapazitäten signifikant verringert werden konnte. Annika Klettke betonte, dass SSSC gegenüber anderen lastflusssteuernden Betriebsmitteln, wie z.B. Phasenschiebertransformatoren, modularer dimensioniert, flexibler gesteuert und einfacher im Netz versetzt werden können.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Giles Dickson von WindEurope, Dr. Stefan Mischinger von der deutschen Energie-Agentur (dena), David Wright von nationalgrid (UK), Dr. Bartosz Rusek von Amprion sowie Gregg Rotenberg, CEO von SmartWires, über den Einsatz von Netzbetriebsmitteln für die optimale Ausnutzung des Bestandsnetzes.

Es bestand Einigkeit bei den Referenten über die Notwendigkeit flexibler und innovativer Netzbetriebsmittel, wie z.B. den SSSC. David Wright berichtete über die Erfahrungen von nationalgrid (UK) bei einem Projekt zur besseren Ausnutzung der bestehenden Kapazitäten mithilfe von SSSC. Er bewertete den SSSC als ein innovatives und kosteneffizientes Betriebsmittel, welches die Kosten für den Netzausbau auch flächendeckend reduzieren könnte. Dr. Stefan Mischinger wies in diesem Kontext darauf hin, dass Wirtschaft und Politik im Kontext eines Netzausbaus insbesondere Wert auf die Marktreife der Produkte legen würden, da die Anforderungen an den Netzausbau sehr hoch sind und es sich um außerordentlich kostenintensive Investitionen handelt. Dr. Bartosz Rusek betonte, dass u.a. durch den Wegfall von Großkraftwerken der Einsatz von weiteren innovativen Betriebsmitteln notwendig sei, um die Spannungs- und Frequenzstabilität zu garantieren und Netzpendelungen zu verhindern. Gregg Rotenberg kam zu dem Schluss, dass daher in Zukunft ein Zusammenspiel aus Netzausbau und flexiblen Technologien zum Einsatz kommen müsse. Den Statements der Referenten schloss sich eine Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmender Veranstaltung an. Prof. Dr.-Ing. Albert Moser, zog zum Ende der Veranstaltung das Resümee, dass mit SSSC den Netzbetreibern ein weiteres innovatives Werkzeug in Ergänzung zu den bereits genutzten innovativen Werkzeugen, wie z.B. Freileitungsmonitoring, Grid Booster oder Phasenschiebertransformatoren, zur Optimierung des Übertragungsnetzes zur Verfügung steht.

Mehr hierzu in den nachstehenden Präsentationen und einem Video der Veranstaltung.

Link zum Video.